Ergebnisse
Erfolgsbasierte Bewirtschaftung
Lebensräume für Wiesenvögel
Die optimalen Lebensräume für Wiesenvögel sind Wiesen, die bis in den Sommer nass sind, nicht gedüngt und spät gemäht werden. Im niedersächsischen Vogelschutzgebiet Dümmer, einem der bedeutendsten Wiesenvogelgebiete in Deutschland und Europa, werden mehr als 2300 Hektar seit vielen Jahren wiesenvogelgerecht bewirtschaftet.
Das Ergebnis: Am Dümmer nimmt der Bestand von Wiesenvögeln seit dem Jahr 2000 zu – im Gegensatz zum Trend in gesamt Niedersachsen. Derzeit brüten am Dümmer 1400 Wiesenvogelpaare auf 2300 ha öffentlichem Grünland.
Das Problem
Für die Landwirtschaft bedeutet eine wiesenvogelgerechte Bewirtschaftung allerdings schwierige Bedingungen, Heu mit geringer Futterqualität und letztendlich finanzielle Verluste. Immer mehr Landwirte stellen deshalb die Pflege solcher nassen Grünlandflächen ein.
Wiesenvogel-Lebensräume sind aber auf die Pflege angewiesen. Ohne sie wachsen offene Flächen zu und sind bereits nach wenigen Jahren als Bruthabitate für Wiesenvögel nicht mehr geeignet. Und in der Folge sinken die Brutbestände der Vögel.
Die Lösung
Im Rahmen des LIFE IP GrassBirdHabitats haben wir ein Entgeltmodell für die Landwirtschaft auf öffentlichen Flächen in Wiesenvogelgebieten entwickelt: „Der Landwirt wird Vogelwirt“.
Landwirte schaffen durch eine entsprechende Pflege der Feuchtgrünlandflächen günstige Bruthabitate für Wiesenvögel. Sie erhalten für die Anzahl der Brutpaare, die auf ihren Flächen brüten, ein Entgelt – unter Berücksichtigung der Bewirtschaftungs-Erschwernis aufgrund des Vernässungsumfangs. Dabei gilt: je mehr Vögel, desto mehr Geld.
Leistungen der Landwirtschaft:
- Herstellung sehr guter Pflegezustaände der nassen und nährstoffarmen Grünlandflächen
- Sehr niedrige Vegetation Ende Oktober
- Weniger als 1000 Binsen pro Hektar
- Mahd und Beweidung unter Schonung der Bruten der Wiesenvögel
Hand in Hand
Mit dem erfolgsbasierten Entgeltmodell verfolgen Landwirtschaft und Naturschutz dasselbe Ziel: optimale Wiesenvogel-Lebensräume. Für den ökonomisch orientierten Landwirt bringt die „Produktion“ von Wiesenvögeln wirtschaftlichen Erfolg. Je mehr Wiesenvögel auf seinen Flächen brüten, desto höher seine Einnahmen.
Dieses erfolgsbasierte Entgeltmodell „Der Landwirt wird Vogelwirt“ wurde mit den Landwirten (Pächtern öffentlicher Flächen) am Dümmer entwickelt. Es soll in einer Pilotphase auf den 2300 ha Feuchtgrünland am Dümmer erprobt werden. Parallel ist geplant, das Modell für weitere Wiesenvogelgebiete in Niedersachsen anzupassen.
Agrarökonomische Grundlagen
Als Grundlage für das Entgeltmodell hat der Agrarökonom Prof. Dr. Albrecht Mährlein berechnet, was die wiesenvogelgerechte Bewirtschaftung von öffentlichem Grünland die Landwirte kostet. Das vollständige Gutachten von Prof. Dr. Mährlein ist frei verfügbar und kann unten heruntergeladen werden. Die Ergebnisse des Gutachtens sind ausschließlich für die spezifische Situation am Dümmer gültig. Für andere Regionen und Böden werden aktuell weitere Berechnungen durch das LIFE-Projekt erarbeitet.