Die ersten Frühjahrstemperaturen der vergangenen Tage haben nach eine längeren Kältephase auch in Niedersachsen den Frühling spürbar näher rücken lassen – und mit ihm die ersten Uferschnepfen. Am Mittwoch, den 25. Februar, wurden am Dümmer drei Uferschnepfen gesichtet. Einen Tag später meldeten Kolleginnen und Kollegen aus dem Projektgebiet an der Unterelbe ebenfalls drei Uferschnepfen. Am Montag, den 2. März, waren dann schon an die 100 Uferschnepfen am Dümmer zu beobachten. Die ersten Uferschnepfen des Jahres sind damit in zwei der wichtigsten niedersächsischen Brutgebiete zurückgekehrt.
Beide Regionen zählen seit Jahren zu den Schwerpunkträumen für den Schutz dieser stark bedrohten Art. Rund um den Dümmer prägen großflächige Feuchtgrünländer das Landschaftsbild, an der Unterelbe sind es weitläufige Marsch- und Wiesenflächen. In den vergangenen Wochen wurden dort – wie jeden Winter in den letzten Jahren – gezielt Maßnahmen umgesetzt, um die Brutbedingungen zu verbessern. Wasserstände in Gräben wurden angehoben und einzelne Flächen flach überstaut, sodass sich Überflutungsbereiche und leicht erhöhte Grasinseln abwechseln. „Die Kombination aus offenen, feuchten Bodenstellen und etwas erhöhten, trockeneren Bereichen ist für die Uferschnepfe entscheidend“, erklärt Projektmitarbeiter Christopher Marlow. „Hier finden die Vögel ausreichend Nahrung und gleichzeitig geeignete Plätze zum Brüten.“
Die aktuell beobachteten Tiere nutzen die vernässten Flächen zur Nahrungssuche. Nach dem Zug benötigen sie energiereiche Nahrung, um Reserven für Revierbildung und Eiablage aufzubauen. Der Großteil der Population befindet sich allerdings noch auf dem Rückzug aus den Überwinterungsgebieten in Westafrika. Daten von besenderten Uferschnepfen zeigen, dass sich einzelne Individuen momentan noch in Westafrika befinden, während viele andere bereits in Rastgebieten in Südwesteuropa sind. Ein paar wenige Sendervögel haben sich bereits weiter gen Norden bewegt und sind in der Camargue und in den Niederlanden. Zwischen Überwinterungs- und Brutgebiet liegen bis zu 4.500 Kilometer.
„Frühe Beobachtungen Ende Februar sind nicht ungewöhnlich“, so Ornithologe Christopher Marlow. „Es kann sich um besonders zeitige Brutvögel handeln oder um Durchzügler, die weiter nördlich brüten. Der Großteil der besenderten Uferschnepfen trifft erfahrungsgemäß zwischen Mitte und Ende März in den niedersächsischen Brutgebieten ein“, erklärt Marlow weiter. In den Brutgebieten jedenfalls haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der beiden Projekte LIFE IP GrassBirdHabitats und LIFE Godwit Flyway ganze Arbeit geleistet, um optimale Bedingungen für die bevorstehende Brutperiode zu gewährleisten. Das Frühjahr kann kommen und die Chancen für erste Nester und Eier pünktlich zu Ostern stehen gut.