Zuletzt haben wir über die Uferschnepfe Amilcar Cabral berichtet. Der Vogel wurde im Dezember 2025 im Überwinterungsgebiet in Guinea-Bissau mit einem GPS-Sender ausgestattet und bezog Anfang April 2026 im EU-Vogelschutzgebiet Rheiderland sein Brutrevier. Über mehrere Tage übermittelte der Sender allerdings nur noch Ortungen aus einem nahegelegenen Gehölz. Dadurch entstand der Verdacht, dass der Vogel einem Beutegreifer zum Opfer gefallen sein könnte. Bei einer Nachsuche konnte der Sender geborgen werden. Überreste des Vogels waren jedoch nicht mehr vorhanden. In unmittelbarer Nähe konnten Rupfungen und die Überreste von weiteren Watvögeln, wie Uferschnepfe, Rotschenkel, Kiebitz, Bekassine und Goldregenpfeifer gefunden werden. Daher ist davon auszugehen, dass auch Amilcar Cabral prädiert wurde. Vieles spricht dafür, dass die Uferschnepfe von einem Habicht geschlagen wurde, von dem ein Brutvorkommen in der näheren Umgebung bekannt ist.
Prädation ist eine der wesentlichen Ursachen des dramatischen Bestandsrückgangs der Uferschnepfe in Deutschland. Besonders der Fraß von Eiern und Küken durch Beutegreifer führt in vielen Gebieten zu einem geringen Bruterfolg. Aber auch durch beispielsweise Wanderfalken oder Habichte kommt es immer wieder zur Prädation von erwachsenen Vögeln im Brutgebiet.
Der Verlust adulter Brutvögel wirkt sich besonders schwer auf den Brutbestand eines Gebietes aus: Zum einen gefährdet er den aktuellen Bruterfolg, zum anderen fehlen diese Brutvögel der Population auch in Folgejahren. Wo der Schutz von Wiesenbrütern im Fokus steht, ist daher eine Entwicklung günstiger Lebensräume für Wiesenbrüter entscheidend. Dazu gehört auch das Entfernen von Landschaftsstrukturen, von denen insbesondere die Beutegreifer der Wiesenbrüter profitieren.