Aktuell

News Blog

24.09.2025

Gebietsexkursion an die Wümme

Präsentation, Exkursion und Diskussionen über Wiesenvogelschutz

Zwischen Hamburg und Bremen erstreckt sich die faszinierende Flusslandschaft der Wümmeniederung – ein einzigartiger Schutzgebietskomplex mit vielfältigen Lebensräumen. Besonders wichtig sind hier die Grünländer in der Flussaue, die zahlreichen Watvogelarten (Limikolen) als Lebensraum dienen. Das FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) und die angrenzenden Vogelschutzgebiete sind zudem bedeutende Brutgebiete für seltene Arten wie den Wachtelkönig und das Braunkehlchen, weshalb sie auch Teil der Gebietskulisse des LIFE IP GrassBirdHabitats sind.

Um das Schutzgebiet besser kennenzulernen und sich fachlich über den Schutz der Wiesenvögel auszutauschen, traf sich das Team des LIFE IP GrassBirdHabitats am 10. September 2025 in der Naturschutzstation Wümme. Der NLWKN betreut hier das FFH-Gebiet 038 Wümmeniederung. Die Exkursion startete mit einer kurzen Präsentation, die einen Überblick über die Besonderheiten des Gebiets gab. Dies bot die perfekte Grundlage für die anschließende Diskussion über Gebietsentwicklung, Gehölzpflege und Maßnahmen zur Wasserrückhaltung und Optimierung des Grundwasserstandes.

Der erste Halt führte die Gruppe zu den Flussdünen bei Unterstedt sowie zu den Grünländern südlich von Rotenburg an der Wümme. Hier setzt das Förderkonzept KLARA an, um mit dem Förderinstrument „Erhalt und Entwicklung der Biologischen Vielfalt“ (BiolV) gezielt Lebensräume für Wiesenvögel zu verbessern. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Braunkehlchen, das in Niedersachsen vom Aussterben bedroht ist. Auf landeseigenen Naturschutzflächen sollen verbrachte Abschnitte wieder genutzt werden, um attraktive Lebensraum-Bedingungen für den Wachtelkönig zu bieten.

Die zweite Station lag auf Landesnaturschutzflächen bei Waffensen. In den letzten Jahren wurden hier regelmäßig rufende Wachtelkönig-Männchen auf den Grünländern der mittleren und unteren Wümmeniederung beobachtet. Typischerweise werden die mageren Flachland-Mähwiesen zwischen Anfang Juni und Ende Juli gemäht, um ihre Artenvielfalt zu erhalten. Brütende Wachtelkönige benötigen jedoch eine sehr später Mahd erst ab Mitte August, um ihre Küken so weit großzuziehen, dass diese die Flächen aus eigener Kraft verlassen können. Hier wurden durch die direkte Zusammenarbeit der Naturschutzstation mit den Pächtern vor Ort wichtige Einigungen bei der Mahdsteuerung erreicht.

Der letzte Exkursionsstopp führte in die Nähe von Hellwege, wo Maßnahmen zur Anhebung des Grundwasserstandes umgesetzt worden sind. Stauanlagen und Stützschwellen helfen dabei, das Wasser im Gebiet länger zu halten – eine wichtige Grundlage für die artenreiche Flora und Fauna. Dr. Burghard Wittig von der Naturschutzstation erläuterte außerdem spannende Details zur Mahd und zur Saatgutübertragung, um die Lebensräume weiter zu verbessern.

Der Tag bot der Gruppe wertvolle Einblicke in das vielfältige FFH-Gebiet Wümmeniederung. Die angeregten Gespräche über die Schutzgebietsentwicklung, die Arbeit der Naturschutzstation, die Vorhaben des LIFE-Projekts und die Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren waren wichtige Inhalte der Exkursion, um neue Ideen und Perspektiven zu einem funktionierenden Wiesenvogelschutz zu gewinnen.


Zehn Personen laufen mit dem Rücken zur Kamera durch Grasland.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LIFE-Projekts und der Naturschutzstation bei einer Gebietsbegehung. Foto: G. La Spina/NLWKN
Mehrere Personen stehen auf einer Wiese. Einer von ihnen spricht.
Dr. Burghard Wittig (Bildmitte) erklärt der Gruppe die lokalen Gegebenheiten. Foto: G. La Spina/NLWKN