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12.05.2026

Ein besonderer Fund

In Guinea-Bissau (Westafrika) besenderte Uferschnepfe trifft im Rheiderland ein

Im Rheiderland ist derzeit die Uferschnepfe (Limosa limosa) namens Amilcar Cabral zu beobachten, deren Geschichte außergewöhnlich ist. Der Vogel wurde im Dezember 2025 im westafrikanischen Guinea-Bissau im Rahmen des Projekts LIFE IP GrassBirdHabitats von einem international besetzten Team mit einem GPS-Sender ausgestattet und lässt sich seither digital über Ortungen verfolgen. Der Vogel ist Teil einer Stichprobe von neun besenderten Uferschnepfen im Überwinterungsgebiet, wo der Bestand zu dieser Jahreszeit aus vielen tausend Individuen besteht.

Dass eine dieser wenigen besenderten Uferschnepfen in Deutschland auftaucht, ist bemerkenswert – halten sich doch im Winter vorwiegend diejenigen Uferschnepfen in Guinea-Bissau auf, die in den Niederlanden brüten. Umso erstaunlicher ist es, dass Amilcar Cabral nun auf einer Naturschutzfläche im Rheiderland ein Brutrevier besetzt hat. Sein Überwinterungsgebiet hat der Vogel am 14. Januar 2026 verlassen, um die Reise in Richtung seines Brutgebiets anzutreten. Auf dem Weg hat der Vogel mehrtägige Zwischenstopps in Marokko, dem Doñana-Nationalpark in Spanien sowie im Marais de Bourage in Frankreich eingelegt. Sein Brutgebiet im Rheiderland hat der Vogel am 1. April 2026 erreicht. Dort pendelt er seither zwischen einer Grünlandfläche im Landesinneren und dem Dollart hin und her. Hauptsächlich richten sich seine Bewegungen nach einem Tag-/Nach-Rhythmus. Die Tide spielt jedoch auch eine Rolle, da der Dollart vermutlich nicht nur als Schlaf- und Rastplatz, sondern bei Niedrigwasser auch zur Nahrungssuche genutzt wird. Dies unterstreicht den großen Bewegungsradius der Art sowie die Wichtigkeit geeigneter Rast- und Nahrungsflächen im Brutgebiet.

Auch aus dem Gelände gibt es konkrete Beobachtungen: Am 22. April 2026 um 9:30 Uhr wurde die Uferschnepfe auf einer Fläche gesichtet. Darüber hinaus konnte sie in einer Revierauseinandersetzung mit einer anderen Uferschnepfe gefilmt werden. Dies wird als Hinweis auf eine mögliche Revierbildung gewertet. Die Farbringkombination (links gelb über Metall über schwarz, rechts rot über gelb über rot) wurde im Spektiv bestätigt.

Insgesamt ergibt sich daraus eine bemerkenswerte Konstellation: Ein Vogel aus einer sehr großen Winterpopulation in Westafrika wird im Rahmen eines internationalen Schutzprojekts besendert, legt mehrere tausend Kilometer zurück und hält sich schließlich in einer Region auf, in der gezielte Maßnahmen zum Schutz von Wiesenvögeln umgesetzt werden. Dass sich daraus möglicherweise sogar ein Brutversuch auf oder nahe dieser Flächen entwickelt, unterstreicht die Bedeutung solcher vernetzter Schutzansätze entlang der gesamten Zugroute.

Die weiteren Entwicklungen bleiben abzuwarten. Die frei zugänglichen Trackingdaten (unter anderem über www.globalflywaynetwork.org) bieten die Möglichkeit, die Bewegungen des Vogels weiterhin nachzuvollziehen.


Eine rote Linie auf einem Luftbild zeigt, dass der Vogel zwischen Inland und Flussufer hin- und herfliegt.
Bewegungsmuster der Uferschnepfe Amilcar Cabral im Rheiderland zwischen dem 22. und 29. April 2026. Copyright: Global Flyway Network

Revierkampf zwischen Amilcar Cabral und einer anderen Uferschnepfe. Video: J. Schwane/NLWKN