Aktuell

News Blog

01.06.2026

Austausch im Eemland

Gebietsbetreuerexkursion bietet wertvolle Einblicke

Auf der Suche nach Inspirationen und Ideen für die Optimierung von Lebensräumen in den Brutgebieten der Wiesenvögel in Niedersachsen schauen die Gebietsbetreuer des LIFE IP GrassBirdHabitats gerne über den Tellerrand. Jedes Jahr werden gemeinsame Exkursionen organisiert, auf denen heiß diskutiert wird. In diesem Jahr stand ein ganz besonderes Ziel auf dem Plan: Das Eemland, eines der Kerngebiete für den Wiesenvogelschutz in den Niederlanden. Empfangen wurden sie dort am 5. Mai 2026 vom Gebietskoordinator Jan Roodhart (Natuurmonumenten), der seit Jahren mit seinem Expertenwissen die LIFE-Projekte Wiesenvögel und GrassBirdHabitats unterstützt.

Jan Roodhart, der als ehemals dort wirtschaftender Landwirt mit Beginn der Umsetzung der Naturschutzmaßnahmen das Gebiet betreut und somit wie seine Westentasche kennt, stellte in einer kleinen Einführung und auf einem anschließenden ca. 6 km langem Rundgang das Gebiet vor. Er gab hochinteressante und inspirierende Einblicke in die Flächenentwicklung, die Maßnahmen des Wassermanagements sowie die Zusammenarbeit mit Landwirten und anderen Institutionen wie dem Staatsbosbeheer, der niederländischen staatlichen Forst- und Naturschutzorganisation.

Als eines der ältesten Poldergebiete der Niederlande wird das Eemland als Weide- und Ackerlandschaft durch das Collectief Eemland bewirtschaftet. Im Gebiet liegen wichtige Wiesenvogelschutzgebiete. Seit mehr als 25 Jahren werden auf 500 ha von Natuurmonumenten erfolgreich Maßnahmen zum Wiesenvogelschutz umgesetzt. Ergänzt wird das Gebiet durch rund 100 ha, die durch den Staatsbosbeheer verwaltet werden.

Im Eemland wurden die 10 Schlüsselfaktoren für die Erhaltung von optimalen Wiesenvogelhabitaten erfolgreich umgesetzt: Eine störungsarme, offene Landschaft, in der durch langjährige, professionelle Wasserstandsregulierung und Vorgaben zur extensiven Beweidung und Mahd vormals intensiv genutzte Weideflächen über mehr als 25 Jahre hinweg in extensiv genutztes arten- und strukturreiches Feuchtgrünland umgewandelt wurde, das für Wiesenvögel optimale Lebensraumbedingungen bietet. Begleitet werden die Maßnahmen von einem effektiven Prädationsmanagement und einer intensiven Gebietsbetreuung. In Zahlen spricht der Erfolg für sich und ist beeindruckend. In 2025 konnten 438 Uferschnepfen-Territorien auf ca. 380 ha Fläche erfasst werden (in 1997: 51). Für den Kiebitz wurden 366 Territorien verzeichnet (in 1997: 48).

Am Ende des Tages waren sich alle Teilnehmer einig: Die hier geleistete Schutzgebietsarbeit ist ein toller und motivierender Erfolg für den Wiesenvogelschutz. Einige konkrete Ideen für die Maßnahmenumsetzung, wie Staumodelle und die Gestaltung von Grabenrändern wurden mitgenommen, aber auch viel Motivation: „Ich habe mitgenommen, dass sich Habitate erst langfristig zu richtig guten Habitaten entwickeln und dass man Geduld braucht, bis man einen Erfolg sehen kann. Das macht mich zuversichtlich, dass wir auch in unseren Projektgebieten langfristig weiterkommen“, kommentiert Joachim Schwane, Gebietsbetreuer in Ostfriesland und im Rheiderland. Auch Thorsten Obracay schildert seinen Eindruck: „Das Eemland ist ein gutes Beispiel, wie wichtig es ist, alle Erfolgsfaktoren für den Wiesenvogelschutz gleichzeitig umzusetzen, dazu gehört nicht nur die Vernässung und Bewirtschaftung, sondern auch eine dauerhafte Gebietsbetreuung und ein gutes Prädationsmanagement.“


Feuchtes Grünland. Im Vordergrund eine solarbetriebene Wasserpumpe.
Auf den Flächen im Eemland hat sich eine arten- und strukturreiche, offene Polderlandschaft mit hohen Wiesenvogelbeständen und seltenen Pflanzenarten entwickelt. Foto: J. Schwane/NLWKN
Fünf Personen stehen im Freien um einen Tisch herum, der gleichzeitig eine Infotafel ist.
Jan Roodhart von Natuurmonumenten (links) und die Gebietsbetreuer vom Projekt LIFE IP GrassBirdHabitats bei der Begehung. Foto: H. Pankow/NLWKN
Eine Pumpe, die einer Windmühle aus Metall ähnelt, steht in einem Graben im Grünland.
Windbetriebene Wasserpumpe zur Regulierung des Wasserstands. Foto: H. Pankow/NLWKN